
Ein existenzsicherndes Einkommen ist ein zentrales Konzept im Kakaosektor und bezeichnet das jährliche Nettoeinkommen, das ein Haushalt an einem bestimmten Ort benötigt, um einen angemessenen Lebensstandard für alle Familienmitglieder zu gewährleisten. Dazu gehören Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Unterkunft, Bildung, Gesundheitsversorgung, Transport, Kleidung sowie Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben. Trotz der weltweiten Nachfrage nach Schokolade verdienen rund 75% der Kakaobauern- und bäuerinnen immer noch weniger als ein existenzsicherndes Einkommen (insbesondere in Westafrika), bedingt durch verschiedene miteinander verknüpfte Herausforderungen.
Ein grundlegendes Problem ist, dass die Farmer:innen seit Jahrzehnten keine angemessene Bezahlung für ihren Kakao erhalten, da Käufer und grosse Schokoladenunternehmen Preise zahlen, die die tatsächlichen Kosten einer nachhaltigen Produktion nicht decken. Dieses langanhaltende Problem trägt wesentlich zur Armut der Kakaofamilien bei. Weitere Herausforderungen sind die oft kleinen Anbauflächen, die die Produktionsmenge begrenzen, die Preisschwankungen auf dem Weltmarkt, die zu instabilen und manchmal unzureichenden Zahlungen führen, sowie niedrige Produktivität durch alternde Bäume, schlechte Anbaumethoden und Klimawandel. Sozioökonomische Faktoren wie eingeschränkter Zugang zu Finanzmitteln, Bildung und Märkten erschweren den Farmer:innen zusätzlich eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensgrundlage.
Diese Einkommenslücke fördert Armut und zwingt viele Bauern und Bäuerinnen zu nicht nachhaltigen Praktiken, wodurch ein Teufelskreis aus niedrigen Erträgen und Umweltzerstörung aufrechterhalten wird. Ein existenzsicherndes Einkommen entlang der Kakaolieferkette erfordert faire Preise, nachhaltige Anbaumethoden, gesteigerte Produktivität und mehr Transparenz. Internationale Initiativen und Regulierungen wie die Europäische Lieferkettenrichtlinie (EU-CSDDD) und die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) setzen auf größere Verantwortung und Unterstützung für Landwirt:innen. Die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Industrie, Zivilgesellschaft und Konsument:innen ist entscheidend, um einen Kakao-Sektor zu schaffen, in dem Farmer:innen nicht nur überleben, sondern ein gutes Lebens führen können.
Good Chocolate Hub engagiert sich dafür, dieses Problem anzugehen, indem wir Bewusstsein schaffen, ehrlichen Handel unterstützen und innovative Lösungen fördern, die den Kakaofarmer:innen ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen.
Quellen
Center for Development and Environment, University of Bern (2024): Cocoa Pricing for a Living Income: Mechanisms, Regulatory Levers, and Limitations
Voice Cocoa Network: Living Income
Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao (SWISSCO): Existenzsicherndes Einkommen.
OXFAM Briefing Paper (2025): Raising the Bar- Supermarkets must urgently address structural exploitation of cocoa farmers.
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