Schweizer Schokoladenhersteller liegen bei Nachhaltigkeit noch zurück!

Die 7. Ausgabe der Chocolate Scorecard der Organisation Be Slavery Free bewertet Schokoladen- und Kakaounternehmen weltweit in den Bereichen Rückverfolgbarkeit, existenzsichernde Einkommen, Entwaldung, Agroforstwirtschaft und Pestizideinsatz. Von 80 eingeladenen Unternehmen haben 49 an der diesjährigen Ausgabe teilgenommen. Die in der Schweiz untersuchten Unternehmen – Halba, Nestlé, Ecom Trading, Delica (Frey), Lindt & Sprüngli und Barry Callebaut – erreichen im Schnitt 58,5% der möglichen Punkte und liegen damit nur knapp über dem internationalen Durchschnitt von 52,6%. Es zeigt sich also Nachholbedarf.
Besonders gross ist der Rückstand bei:
→ existenzsichernden Einkommen
→ Geschlechtergerechtigkeit
→ Kinderarbeit
Gerade beim existenzsichernden Einkommen zeigt sich die strukturelle Krise im Kakaosektor besonders deutlich: Über alle untersuchten Unternehmen hinweg erreichen die Firmen in diesem Bereich im Durchschnitt nur 30,4% der möglichen Punkte, auch Schweizer Schokoladeunternehmen hinken hinterher (Lindt & Sprüngli 10%, Barry Callebaut 20%).
Zugleich zeigen die offengelegten Daten:
🍫 Für viele Kakaobäuerinnen und Kakaobauern ist weiterhin kein existenzsicherndes Einkommen gesichert.
🍫 Nur ein Teil der Produzent:innen erreicht bereits ein solches Einkommen.
🍫 Bei einem weiteren Teil bleibt die Einkommenssituation unklar oder nicht transparent.
Und das trotz teils historisch hoher Kakaopreise im Untersuchungszeitraum.
Die Scorecard macht aber auch deutlich: Faire Preise sind möglich. Einige Unternehmen zahlen bereits den „Living Income Reference Price“ – also Preise, die ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen sollen.
Ein positives Beispiel: Chocolat Halba erzielt in der Kategorie der grossen Unternehmen Spitzenbewertungen in allen Bereichen. Auch Coop überzeugt als beste Detailhändlerin.
Warum werden bei dem Chocolate Scorecard vor allem grosse Kakao-und Schokoladenunternehmen bewertet?
Vor allem grosse Unternehmen werden bewertet, weil sie den Kakaomarkt besonders stark prägen und damit auch den größten Hebel für Veränderungen haben. Wenn solche Firmen ihre Lieferketten transparenter machen, bessere Preise zahlen oder Entwaldung stärker kontrollieren, wirkt sich das auf sehr viele Bäuerinnen und Bauern aus.
Dazu kommt: Die Chocolate Scorecard ist ausdrücklich als Instrument gedacht, um die Branche vergleichbar zu machen und Unternehmen mit grosser Marktmacht stärker in die Verantwortung zu nehmen. Große Hersteller und Händler haben meist komplexe, internationale Lieferketten – genau dort entstehen viele der Probleme rund um Rückverfolgbarkeit, Kinderarbeit, Entwaldung und existenzsichernde Einkommen.
Kurz gesagt: Grosse Unternehmen werden nicht nur bewertet, weil sie gross sind, sondern weil ihre Entscheidungen die Branche insgesamt bewegen können.


