Erste Projektreise: Menyapa Lesan Cacao Initiative, Ost-Borneo
Anfang Juni waren wir auf Projektreise in Indonesien, um das Projekt Menyapa Lesan Cacao Initiative in Ost-Borneo sowie unsere Projektpartner vor Ort zu besuchen. Unsere Reise führte uns zunächst nach Bali, dann weiter über Jakarta bis nach Borneo.
Im Rahmen des Projekts arbeiten wir daran, nachhaltigen Kakaoanbau mit dem Schutz des Regenwalds und der Orang-Utans zu verbinden – und gleichzeitig die Lebensgrundlagen indigener Dayak-Gemeinschaften zu stärken. Was wir auf dieser Reise erlebt haben, war intensiv, bewegend und voller neuer Eindrücke: inspirierende Gespräche mit Kakaofarmer:innen, enge Begegnungen mit Projektpartnern und eindrückliche Momente, die noch lange nachhallen.
Die Reise hat uns nicht nur gezeigt, wie viel bereits entstanden ist, sondern auch, wie viel Potenzial in der gemeinsamen Arbeit liegt. Sie war reich an Begegnungen, Perspektiven und Fragen, die uns noch weiter begleiten werden.
Wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, das Erlebte zu verarbeiten und freuen uns umso mehr, euch nun mit auf einen Rückblick auf diese besondere Reise zu nehmen. Bereit?
Möchtest du einen Beitrag zu unserem Projekt leisten? Dann kannst du mit der Spende eines oder mehrerer Kakaosetzlinge die Arbeit vor Ort direkt unterstützen.


Bali
Für viele ist Bali vor allem als traumhafte Reisedestination bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass auf der Insel auch Kakao angebaut wird – insbesondere im Westen von Bali.
Am Flughafen in Denpasar wurden wir von Tya empfangen, unserer Projektmanagerin imMenyapa Lesan Cacao Initiative. Für Andrea war es die erste Reise nach Indonesien, was die Ankunft besonders aufregend machte. Für Evelyn war es ein freudiges Wiedersehen – sie hat bereits früher im Kakaosektor auf Bali gearbeitet und kennt Tya schon seit dieser Zeit.
Ein kurzer Tag zum Ankommen, dann machen wir uns schon auf den Weg zu Kakaofarmen und zu Besuchen bei Bibik, Guru und weiteren Farmer:innen, die Tya und Evelyn bereits seit einiger Zeit kennen. Sie erzählten uns, wie sie sich als Farmers’ Group organisiert haben und wie sie ihren Kakao beispielsweise an CAU Chocolate verkaufen – die einzige Schokoladenmanufaktur auf Bali, die von Balines:innen geführt wird.
Auch CAU Chocolate selbst durften wir besuchen, ebenso wie eine kleine, ganz neue Schokoladenmanufaktur, die uns mit ihren Ideen und Visionen sofort beeindruckt hat. Es ist immer inspirierend zu sehen, mit wie viel Sorgfalt, Kreativität und Engagement vor Ort Wertschöpfung aufgebaut wird.
Natürlich war die Projektreise nicht nur von spannenden Begegnungen geprägt, sondern auch von Deadlines. Zwischen Strandspaziergängen und einem kleinen Schoggitasting am Abend arbeiteten wir noch daran, unseren ersten Projektbericht fertigzustellen und abzuschicken. Ausserdem trafen wir das Team von Koltiva und sprachen über die Umsetzung von KoltiTrace – einem System, das Lieferketten transparenter und rückverfolgbarer machen soll.
Und schon war es wieder an der Zeit, die Koffer für den nächsten Stopp zu packen: Jakarta.

Jakarta & Bandung
In Indonesiens Hauptstadt angekommen, war Andrea sofort fasziniert von dieser besonderen Art von Urbanität – den tiefen Schluchten der Wolkenkratzer und der Vielfalt, die eine Stadt wie Jakarta ausmacht. Wir hatten ausserdem Glück: kein stundenlanger Stau, sodass wir pünktlich zum Mittagessen mit dem KEM-Team, der Centered Earth Economy Coalition, ankamen. KEM verfolgt die Vision, dass Indonesiens Wertschöpfungsketten von nachhaltigen Unternehmen geprägt werden, die einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
In einem Restaurant, das lokale Spezialitäten von verschiedenen indonesischen Inseln in wunderschön komponierte Gerichte neu interpretiert, genossen wir nicht nur ein unglaublich feines Mittagessen, sondern führten auch ein inspirierendes Gespräch über mögliche Formen der Zusammenarbeit und nachhaltiges Unternehmertum innerhalb unseres Kakaoprojekts.
Am Abend nahm uns Gita, die Vorsitzende des Vorstands, mit an einen ganz besonderen Ort: einen Warung (kleiner Essensshop) in Südjakarta, der seinen Reis aus einem sozialen Projekt bezieht und dieses durch die Zusammenarbeit aktiv unterstützt. Auch hier war das Essen hervorragend – und die Idee dahinter machte den Besuch umso eindrücklicher.
Am nächsten Tag machten wir einen kurzen Abstecher in die Stadt Bandung. Dafür stiegen wir in den Hochgeschwindigkeitszug Whoosh – und genauso fühlte es sich auch an: Mit 300 km/h schossen wir förmlich durch die Landschaft. In Bandung besuchten wir Terve Chocolate, einen Bean-to-Bar-Schokoladenhersteller, bei dem wir einen vertieften Einblick in die Schokoladenherstellung erhielten. In ihre Single-Origin-Kreationen, in die Verbindung von Leidenschaft und Handwerk und in das, was lokale Wertschöpfung wirklich bedeuten kann.
Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine Woche vergangen. Wir waren müde, ja – aber der aufregendste Teil der Reise lag noch vor uns: Ost-Borneo.

Ost-Borneo
Schon beim Landeanflug auf die Stadt Tanjung Redeb wird deutlich, wie weit und beeindruckend einer der artenreichsten Regenwälder der Welt ist – und zugleich, wie stark er durch veränderte Landnutzung bereits unter Druck steht. Aus dem Flugzeug sehen wir nicht nur die Landschaft, sondern auch vom Menschen hinterlassene Spuren. Evelyn kommt mit ihrem Sitznachbarn ins Gespräch, der im Holzsektor arbeitet. Die Region ist eng mit wirtschaftlichen Interessen rund um Holz, Kohle und Palmöl verbunden ist. Der Flug ist voll. Mit Menschen, die in diesen Sektoren arbeiten.
Am Flughafen werden wir von Linus, dem Leiter unseres Projektpartners vor Ort, der NGO Conservation Action Network (CAN), gemeinsam mit Bayu und Petz abgeholt. CAN setzt sich für den Schutz der Natur und die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften ein und betreibt unter anderem ein Animal Rescue Center.
Von dort aus geht es für uns noch rund zweieinhalb Stunden mit dem Auto weiter ins Dorf Merasa, wo CAN ebenfalls einen Standort hat. Dort lernen wir das Kakao-Team kennen: Susi, Donan und Resto, drei junge, engagierte Menschen, die in den vergangenen Monaten bereits wichtige Arbeit im Projekt geleistet haben. Ihre Arbeit vor Ort ist zentral, denn CAN ist eng mit den lokalen Communities verbunden und direkt präsent. Genau diese Nähe, dieses Vertrauen und die kontinuierliche Zusammenarbeit sind essenziell für ein Projekt wie dieses.

In Merasa besuchen wir Kakaofarmer:innen, die gerade dabei sind, die Kakaoschoten nach der Ernte zu öffnen. Wir sehen die neu aufgebaute Kakaosetzlingsstation und die Fermentationsanlage, die bereits im Dorf betrieben wird. Besonders eindrücklich ist auch der Besuch bei den Kakaofarmer:innen, die bereits ein kleines Schokoladenbusiness aufgebaut haben: In ihrem Haus, mit zwei kleinen Melangers, stellen sie aus ihren eigenen fermentierten und getrockneten Kakaobohnen verschiedene Schokoladensorten her und verkaufen diese vor Ort und auf nahegelegenen Märkten.
Natürlich haben wir auch Schoggi im Gepäck: den ersten Schokoladen-Testbatch aus den Bohnen dieses Dorfes, den unser Projektpartner Kürzi Kakao vor einigen Monaten erhalten und daraus die erste Schokolade hergestellt hat. Eine 70%-Tafel und eine recht süsse Cashew-Schoggi. Den Farmer:innen schmeckt die süssere Variante, dem CAN-Team ist sie fast etwas zu süss – doch der Test hat auch gezeigt, was bereits möglich ist und wo noch Entwicklungspotenzial liegt. Die Fermentation ist noch nicht perfekt und bringt gewisse Off-Flavours mit sich, aber zugleich sind da auch fruchtige Aromen, die vielversprechend sind. Und genau daran kann und soll im Rahmen unseres Projekts weitergearbeitet werden.

Ganz besonders eindrücklich war an diesem Tag auch der Besuch des Animal Rescue Center in Merasa. Dort blickten uns die Augen von Gibbons, Malaienbären und drei Orang-Utan-Babys entgegen — ein Moment, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Mindestens sieben Jahre werden sie dort betreut, bevor sie eines Tages ausgewildert werden können Das zeigt, welch grosse Verantwortung CAN als Organisation trägt. Umso berührender war es für uns zu sehen, mit wie viel Leidenschaft, Sorgfalt und Hingabe die Mitarbeitenden sich um die Tiere kümmern.

Zurück zum Kakao: Insgesamt sind acht Dörfer in dieser Region Teil des Projekts, und jedes von ihnen bringt eine ganz eigene Ausgangslage mit. Während in Merasa bereits einiges an Kakao angebaut und auch fermentiert wird, gibt es in anderen Dörfern erst kleine Kakaopflanzungen. In Sidobangen wird bislang noch kein Kakao angebaut, doch die Dorfgemeinschaft ist bereit und motiviert, damit zu beginnen. Genau deshalb wird dort auch der geplante Kakaodemoplot entstehen – ein Ort, an dem die Farmer:innen lernen können, wie Kakaosetzlinge angebaut und richtig gepflegt werden können.
In den darauffolgenden Tagen besuchen wir noch vier weitere Dörfer: Muara Lesan, Lesan Dayak, Sidobangen und Merabu. Dort sprechen wir mit den Ortsvorstehern, besuchen Kakaofarmen und treffen Kakaofarmerinnen und -farmer, um über das Projekt, unser gemeinsames Commitment und die Möglichkeiten im Kakaoanbau zu sprechen. Wir wollen verstehen, was sich die Menschen für den Kakaoanbau wünschen, aber auch, welche Herausforderungen sie sehen und was es braucht, damit Kakao langfristig eine stärkere Rolle spielen kann.
Es wird deutlich, dass es langfristige Strategien braucht, um Kakao als verlässliche Einkommensquelle zu stärken, stabile Preise, nachhaltige Lieferketten und Marktzugänge zu schaffen und Kakao im Agroforstsystem als echten wirtschaftlichen Anreiz zu verankern, damit Farmer:innen Ownership entwickeln können und zugleich Wald und Tiere geschützt werden.

Am letzten Tag sitzen wir mit dem CAN-Team zusammen, reflektieren die vergangenen Tage, besprechen die nächsten Schritte und Prioritäten und schärfen dabei unsere gemeinsame Strategie. Einige erste Ideen werden dabei auch wieder verworfen, neue Ansätze entstehen und es wird einmal mehr deutlich, wie viel noch vor uns liegt.
Umso dankbarer sind wir, mit einem so starken Team zusammenzuarbeiten — gemeinsam mit CAN, Tya, BOS Schweiz und Kürzi Kakao.
Du kannst Teil des Projekts werden! Bald werden im Projektgebiet Kakaosetzlinge gepflanzt. Möchtest du Setzlinge sponsern? 🌱 Für 3 CHF pflanzt du einen Kakao-Setzling.



